Zeitgerechte Arbeitswelt

Welche Fähigkeiten braucht die Polizei für die Zukunft?

Mit unserem Leitantrag (siehe DP NI 06/2022, Seite 3) haben wir auf dem Landesdelegiertentag 2022 eine zeitgerechte Arbeitswelt gefordert. Bereits heute gibt es in unserer Organisation zahlreiche Ansätze, die unser Arbeiten zukunftsgerichtet gestalten sollen. Einige möchten wir euch in einer losen Serie vorstellen. Den Anfang macht Ronja Anke Deegener aus dem Projekt „Bildung neu denken“ zum Baustein „Wissen“.

Sich stetig wandelnde Kriminalitätsformen, sich ändernde (digitale) Anwendungen oder gesamtgesellschaftliche Veränderungen prägen Organisationen wie die Polizei und führen zu veränderten Anforderungen an jede Einzelne und jeden Einzelnen. Bewährte Fähigkeiten wie Bürger/-innenorientierung, Organisationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit oder auch Teamfähigkeit bleiben selbstverständlich wichtig oder nehmen gar an Bedeutung zu. Allerdings rücken in Zukunft zusätzlich weitere Fähigkeiten ins Blickfeld, um handlungsfähig zu bleiben.

Lebenslanges Lernen

Die erhöhte Geschwindigkeit und Komplexität unseres Umfeldes führen dazu, dass die Halbwertszeit unseres Wissens immer mehr sinkt. Lebenslanges Lernen wird erforderlicher denn je. Dazu gehört auch das informelle Lernen – also das Lernen im und durch den Alltag. Die Polizei Niedersachsen führte zu diesem Zweck bereits 2020 das Polizeiinterne Soziale Netzwerk null 1|5 ein und plant den Einsatz eines Lern-Management-Systems. Die Lernkultur wandelt sich. Um das damit einhergehende Potenzial zu nutzen, braucht es aber auch die Fähigkeit lebenslang zu lernen, denn das bedeutet auch, selbst organisiert Inhalte zu erlernen – zum Beispiel in Form von Lernpfaden und -modulen im digitalen Raum.

Zukunftskompetenzen

Darüber hinaus braucht die Polizei neben den ausgeprägten fachlichen Fähigkeiten ebenfalls die sogenannten übergeordneten Zukunftskompetenzen. Denn wir stehen vor der Aufgabe, die Menschen in der Polizei auf etwas vorzubereiten, was gegenwärtig noch gar nicht existiert. So zum Beispiel auf die Nutzung von Technologien, die noch gar nicht entwickelt sind, um Probleme zu lösen, von denen wir heute noch gar nichts wissen. Es bedarf also neben klassischen Fähigkeiten wie Lösungsfähigkeit, Kommunikation, Resilienz und Eigeninitiative auch technologischer und digitaler Fähigkeiten wie IT-Affinität, Kollaboration und Agilität.

Transformative Fähigkeiten

Doch besonders wichtig sind die transformativen Fähigkeiten – Fähigkeiten, um stetigen Wandel adäquat begleiten zu können. Diese ermöglichen Menschen, sich gesellschaftlicher Herausforderungen bewusst zu werden und entsprechende Lösungen zu entwerfen. Dazu gehören Urteilsfähigkeit, Dialog- und Konfliktfähigkeit sowie auch Innovations- und Veränderungsfähigkeit. Für die zwei letztgenannten Fähigkeiten entwickelt die Polizeiakademie Niedersachsen im Kontext des Gesamtprojektes „Bildung neu denken” aktuell einen Lernpfad, der Impulse, Wissen und Übungen bereithalten wird, um die Fähigkeit zu stärken, Wandel zu begleiten und zukunftsweisend zu gestalten. Auch wenn es bereits zur Kernarbeit der Polizei gehört, auf Veränderungen zu reagieren, wird diese Fähigkeit zukünftig noch viel mehr gefordert sein und muss in der Aus- und Fortbildung der Polizei verstärkt Berücksichtigung finden.