Digitalisierung
Das Projekt „BraVo“ ist gestartet –Hintergründe, Aktuelles und Zukünftiges
Die Vorgangsbearbeitung, wie sie die Brandenburger Polizei bisher kannte, wird sich in den kommenden Jahren erheblich verändern. Das bisherige System ComVor wird durch ein neues Vorgangsbearbeitungssystem der Polizei ersetzt. Neben einem integrierten Asservatenmanagement und einer Vielzahl bekannter und neuer Funktionalitäten wird es auch mobil nutzbar sein. BraVo ist zwar nur ein, aber aktuell der größte Baustein der Digitalisierung in der Polizei.
Um bereit für die Zukunft der polizeilichen Datenverarbeitung zu sein, bekommt die Polizei Brandenburg im Zuge der bundesweiten Harmonisierung des Informationsmanagements ein neues Vorgangsbearbeitungssystem (VBS) – es firmiert unter dem technischen Begriff „PLX“. Die Weiterentwicklung des Systems, das bereits in den Länderpolizeien in Berlin, dort unter dem Namen Poliks, und in Nordrhein-Westfalen, dort unter dem Akronym ViVA, im Einsatz ist, soll in Brandenburg Ende 2024 an den Start gehen und ComVor ablösen. Beim Zoll und der Polizei von Mecklenburg-Vorpommern wird das System ebenfalls eingeführt.
Um den Brandenburger Kolleginnen und Kollegen perspektivisch nicht nur ein funktionstüchtiges System zur Verfügung zu stellen, sondern ebenso einen praktikablen Namen an die Hand zu geben, wurde die Brandenburger Variante von „PLX“ in „BraVo“ – „Brandenburgische Vorgangsbearbeitung der Polizei“ – umbenannt.
Wieso werden die Vorgangsbearbeitungssysteme bundesweit vereinheitlicht?
Aktuell nutzen die Polizeien der Länder und des Bundes viele unterschiedliche VBS. Das erschwert den bundesweiten digitalen Informationsaustausch und macht die Entwicklung gemeinsamer Anwendungen sehr schwer. Die Zukunft polizeilicher Informationsverarbeitung liegt in einer zentralen Datenhaltung, dem sogenannten Datenhaus der Polizei, in dem alle Polizeien der Länder und des Bundes ihre Informationen speichern werden. So werden die Datenverwaltung vereinfacht und Informationen bundesweit datenschutzkonform und höchstverfügbar abruf- und recherchierbar. Auch die polizeilichen Verbundsysteme, wie beispielsweise INPOL, sollen hier bereitgestellt werden.
Damit ein solches Datenhaus aufgebaut werden kann, sind u. a. zunächst die jeweiligen VBS bundesweit stärker zu vereinheitlichen. Das bedeutet, dass in einem ersten Schritt nur noch drei Systeme zum Einsatz kommen. Diese sollen anschließend gemeinsam weiterentwickelt werden, damit in einem weiteren Schritt einzelne Funktionalitäten herausgelöst werden und zentral auf einer polizeilichen Serviceplattform zur systemübergreifenden einheitlichen Nutzung bereitgestellt werden können. Das, was hier sehr technisch klingt, ist vergleichbar mit der heutigen Oberfläche eines Smartphones, wobei die einzelnen (Funk-tions-) Apps auf einen einheitlichen Speicher zugreifen. Vorteil hierbei ist aber auch eine gewisse Individualisierbarkeit der Benutzeroberflächen bei gleichzeitiger Standardisierung des Datenbestandes. Das schafft ein modernes Anwendererlebnis bei gleichzeitiger Aufwandsreduzierung.
Warum benötigt Brandenburg ein neues Vorgangs- bearbeitungssystem?
Die derzeit bei den Polizeien der Länder und des Bundes in Gebrauch befindlichen VBS wurden auf ihre Zukunftsfähigkeit hin untersucht. ComVor hat die hohen Anforderungen auf technischer Ebene zwar nicht erfüllen können; einzelne Aspekte der bisherigen Vorgangsbearbeitung werden aber auch künftig wiederzufinden sein.
Warum fiel die Wahl in Brandenburg auf PLX?
In einer Gegenüberstellung wurden die drei zur Auswahl stehenden VBS einer ausführlichen Betrachtung unterzogen. Neben der Variante PLX standen die Systeme @rtus aus Schleswig-Holstein und IFVP-FE aus Bayern zur Diskussion. Im Vergleich mit den anderen Varianten wies PLX aus Brandenburger Sicht den fachlich höchsten Mehrwert auf.
Vom Startpunkt bis zum Zieleinlauf in drei Phasen
Wann soll nun das neue System eingeführt werden? Das Projekt hat Anfang 2022 begonnen und gliedert sich von seinem Entstehen bis zum Abschluss in drei Phasen.
Im Rahmen der Planungsphase wurde eine Bewertung möglicher Migrationsszenarien aus „ComVor“ bzw. der Landesdatenhaltung vorgenommen. Weiterhin wurden Drittsysteme betrachtet, die aktuell an „ComVor“ angebunden und auch perspektivisch durch „BraVo“ genutzt werden sollen (wie zum Beispiel die Internetwache, SC-Owi oder EUSKA). Ferner wurde analysiert, welche Module, die das System „PLX“ zur Verfügung stellt, zukünftig genutzt werden. Weiterhin wurden Maßnahmen im Bereich der Aus- und Fortbildung vorgeplant. Die Planungsphase konnte im Herbst 2022 abgeschlossen werden.
Aktuell befinden wir uns in der Umsetzungsphase. In diesem Projektabschnitt werden die identifizierten Umsetzungsschritte sukzessive abgearbeitet. Im Vordergrund steht hier, das neue System zu „brandenburgisieren“, also auf die Bedürfnisse der Polizei Brandenburg anzupassen, Schulungen vorzubereiten, Geschäftsprozesse zu modellieren und den Betrieb des Systems in allen seinen Facetten vorzubereiten. Diese Phase soll bis Ende 2024 abgeschlossen sein. Dann geht das neue System an den Start.
Die dritte und letzte Phase des Projekts schließt an die erfolgreiche Wirkbetriebsaufnahme an. Die Kollegen/-innen erhalten im Rahmen einer sechsmonatigen Stabilisierungsphase bei Bedarf eine Unterstützung bei der täglichen Anwendung von „BraVo“. In dieser Phase unterstützt das Projekt bei auftretenden „Kinderkrankheiten“ und „Anlaufschwierigkeiten“. Danach kann das Projekt – hoffentlich zur Zufriedenheit aller – beendet werden.
Eine herausfordernde Aufgabe
Uns als Projektteam ist die Größe der Aufgabe und deren Tragweite bewusst. Das Vorhaben verbirgt herausfordernde und komplexe Themengebiete, die es gilt, in den kommenden Monaten und Jahren gemeinsam zu bewältigen. Dafür ist das Zusammenspiel aller Beteiligten maßgeblich. Ziel ist es, ein VBS auf die Beine zu stellen, welches den Wünschen der Anwendenden entspricht und ihnen ihre Arbeit erleichtert. Ein sicherlich nicht ganz einfacher Weg, aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Vor allem weil das Thema Vorgangsbearbeitung einen ganz überwiegenden Teil der Arbeit unserer Brandenburger Polizistinnen und Polizisten tagtäglich beeinflusst.
In den nächsten Wochen und Monaten sind eine Vielzahl an Besprechungen in den Dienststellen der Brandenburger Polizei geplant, um die Vorgehensweise des Projektes zu vermitteln sowie Eindrücke, Anregungen und fachliche Hinweise zu sammeln. Da es sicherlich schwer werden wird, jeden Einzelnen „abzuholen“, können Sie ihre Fragen und Anregungen gerne über das zentrale Postfach bravo.pp@polizei.branden
burg.de an uns übermitteln. Wir freuen uns auf ihre Mitarbeit und bedanken uns für ihren Beitrag.
Mit besten Grüßen
Ihr Projektleiter
Gregor Böhme